Jan 282012
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Ciceros Griechenbild
2.1 Ciceros Kontakt mit griechischem Gedankengut
2.2 Griechenbild in den Tusculanen
2.2.1 Proömium des ersten Buches
2.2.2 Proömium des zweiten Buches
2.2.3 Weitere Stellen
2.3 Proömium des ersten Buches von De finibus bonorum et malorum
3. Conclusio
4. Fußnoten
5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

↑ Inhaltsverzeichnis
Die Tusculanae Disputationes, die Cicero im Jahr 45 verfasst hat, zählen zu seinen wichtigsten philosophischen Werken und behandeln in fünf Büchern Themen wie Tod, Schmerz und Kummer, die für die Glückseligkeit eines Menschen bedeutsam sind. Der Form nach sind die Bücher Dialoge, die Cicero mit Freunden in seiner Villa in Tusculum führte, und die er später niederschrieb. Vor jedes der fünf Bücher stellte der Autor ein so genanntes Proömium, das inhaltlich jeweils unabhängig von den darauf folgenden Themen und Diskussionen ist.

Vor allem in den Proömien zu den ersten beiden Büchern beschäftigte sich Cicero beispielsweise eingehend mit den Griechen und deren literarischer Hinterlassenschaft, sodass sie nützlichen Stoff für eine detaillierte Interpretation eines Griechenbildes, das Cicero seinen Lesern suggerieren wollte, liefern. Hierfür ist es zuerst notwendig, darzustellen, auf welche Weise er in seinem Leben überhaupt mit Griechenland und griechischen Gedanken in Berührung kam.

Danach sollen die beiden bereits erwähnten Proömien genauer betrachtet werden, und anschließend weitere interessante Stellen aus den disputationes selbst. Um die Zeichnung des Griechenbildes nicht auf die Tusculanen zu beschränken, wird in einem letzten Punkt auf das erste Proömium von Ciceros Werk De finibus bonorum et malorum eingegangen werden. Schließlich wird eine Conclusio die Thematik abrunden und auch Meinungen der neueren Rezeption Ciceros beinhalten.

2. Ciceros Griechenbild

2.1 Ciceros Kontakt mit griechischem Gedankengut

↑ Inhaltsverzeichnis
Wann in seinem Leben und auf welche Weise kam ein junger aufstrebender Römer zu seiner Ausbildung, und welche Rolle spielte dabei die griechische Sprache? Wie zu dieser Zeit üblich, besuchte Cicero bereits in jungen Jahren, nachdem er des Schreibens, Lesens und Rechnens mächtig war, den Unterricht eines grammaticus, der ihn mit der griechischen Sprache vertraut machte. Mit griechischer Literatur, im Wesentlichen mit Homer und Menander, kam Cicero erstmals beim Dichter Archias in Berührung1. Offenbar wurde er von diesem in besonderem Maße geprägt, denn als er ihn Jahre später in der uns erhaltenen Rede Pro Archia Poeta verteidigte, lobte er seinen Lehrer aus Antiocheia in den höchsten Tönen2. Auch der Rhetorikunterricht und praktische Redeübungen, die Cicero besuchte, fanden auf Griechisch statt3.

In seinem Werk Orator schrieb Cicero später jedoch, dass es letztlich nicht die officinae rhetorum, gewesen seien, die ihn zum orator gemacht hätten, sondern die Academia spatia4. Philon von Larissa, dem letzten Akademiker, habe er sich ganz hingegeben5. Dieser führte ihn in die Dialoge Platons ein, die ihn sein ganzes Leben hindurch beschäftigten6.

Unter der Diktatur Sullas trat Ciceros zum ersten Mal als Anwalt auf. In den zwei Reden, die uns aus dieser Zeit erhalten sind, im Jahre 81 Pro P. Quinctio, ein Jahr später Pro Sex. Roscio Amerino, verteidigte Cicero erfolgreich diese beiden Männer, die zu Opfern von Sullas Diktatur geworden waren. Vor allem die Vertretung des Quinctius hatte Ciceros Bekanntheit gefördert; er war nun ein begehrter Verteidiger7.

Bald jedoch forderten die beruflichen Anstrengungen ihren Tribut. Wie er im Brutus später selbst schrieb, empfahlen ihm Freunde und Ärzte, seine Tätigkeit als Anwalt aufzugeben. Cicero folgte dem Rat zwar nicht: „Sed cum censerem remissione et moderatione vocis et commutato genere dicendi me et periculum vitare posse et temperatius dicere, ut consuetudinem dicendi mutarem, ea causa mihi in Asiam proficiscendi fuit.“8

Auf seiner Reise begegnete er weiteren griechischen Philosophen und perfektionierte seine rhetorischen Fähigkeiten. Wie gewandt Cicero zu diesem Zeitpunkt mit der griechischen Sprache umzugehen wusste, wird an einer Anekdote aus Plutarchs βίοι παράλληλοι deutlich:

λέγεται δὲ τὸν Ἀπολλώνιον οὐ συνιέντα τὴν Ῥωμαϊκὴν διάλεκτον δεηθῆναι τοῦ Κικέρωνος Ἑλληνιστὶ μελετῆσαι· τὸν δ’ ὑπακοῦσαι προθύμως, οἰόμενον οὕτως ἔσεσθαι βελτίονα τὴν ἐπανόρθωσιν· ἐπεὶ δ’ ἐμελέτησε, τοὺς μὲν ἄλλους ἐκπεπλῆχθαι καὶ διαμιλλᾶσθαι πρὸς ἀλλήλους τοῖς ἐπαίνοις, τὸν δ’ Ἀπολλώνιον οὔτ’ ἀκροώμενον αὐτοῦ διαχυθῆναι, καὶ παυσαμένου σύννουν καθέζεσθαι πολὺν χρόνον· ἀχθομένου δὲ τοῦ Κικέρωνος εἰπεῖν· „σὲ μὲν ὦ Κικέρων ἐπαινῶ καὶ θαυμάζω, τῆς δ’ Ἑλλάδος οἰκτίρω τὴν τύχην, ὁρῶν, ἃ μόνα τῶν καλῶν ἡμῖν ὑπελείπετο, καὶ ταῦτα Ῥωμαίοις διὰ σοῦ προσγινόμενα, παιδείαν καὶ λόγον“.Übersetzung [9]

Neben der philosophischen und rhetorischen Weiterbildung Ciceros bemerkt Haffter zu dessen Reise außerdem: „Die griechische Reise […] ist für Ciceros Leben auch symbolisch; Griechisches weckt das Römische und hilft mit, daß dieses Römische seine helle Strahlungskraft gewinnt.“10 Dieser Aspekt wird in den folgenden Kapiteln aufgegriffen werden.

2. 2. Griechenbild in den Tusculanen

↑ Inhaltsverzeichnis
In seinen Tusculanae Disputationes liefert Cicero einen ergiebigen Fundus an Aussagen, die bei der Interpretation seines Griechenbildes hilfreich sind. Im Besonderen sind dabei die Proömien des ersten und des zweiten Buches zu untersuchen, in denen er sich eingehend mit Griechenland und seinem Verhältnis zu Rom auseinander setzt. Zu Ciceros Proömien ist im Voraus zu sagen, dass sie nicht notwendigerweise zu dem Werk, dem sie voranstehen, verfasst sind, sondern der Autor einen Vorrat an Proömien hatte, auf den er bei Bedarf zurückgriff. Cicero erklärt uns diese seine Vorgehensweise in einem Brief an seinen Freund Atticus11.

Für die Interpretation bedeutet dies, dass Proömien vergleichsweise unabhängig vom Hauptteil eines Werkes gelesen werden können, wenn sie untereinander, wie von Cicero selbst beschrieben, offensichtlich sogar austauschbar sind. Zudem darf seine Form und sein Inhalt als dem Verfasser besonders wichtig angesehen werden, denn ein eigens zusammengestelltes volumen prohoemicorum lässt darauf schließen, dass er sich darin Themen annimmt, denen er nachdrückliche Aufmerksamkeit zukommen lassen will, und die er deshalb an diese exponierten Stellen setzt. Vor diesem Hintergrund sollen nun die Tusculanen auf das darin enthaltene Griechenbild betrachtet werden.

2. 2. 1. Proömium des ersten Buches

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Gleich zu Beginn erklärt Cicero, was er mit seinem Werk erreichen will, und führt dabei die These an, die er im gesamten restlichen Proömium weiter verfolgt: „hoc [i. e. studium sapientiae] mihi Latinis litteris inlustrandum putavi, non quia philosophia Graecis et litteris et doctoribus percipi non posset, sed meum semper iudicium fuit omnia nostros aut invenisse per se sapientius quam Graecos aut accepta ab illis fecisse meliora, quae quidem digna statuissent, in quibus elaborarent“12.

Cicero teilt also die Eigenschaften, in denen er die Römer und Griechen vergleicht, in drei Gruppen ein. Zunächst ist da die Gruppe der Fähigkeiten, die seine Landsleute selbst erfunden haben und die nach der Erfindung bereits besser waren als die gleichen Fähigkeiten bei den Griechen. Als Zweites gibt es Fähigkeiten, die die Römer zwar von den Griechen übernommen, anschließend aber verbessert haben. Und schließlich bleibt, wenn auch nicht ausdrücklich, so doch impliziert, die Gruppe der Fähigkeiten, die die Römer gar nicht des Übernehmens für würdig erachteten. Für jede dieser drei Gruppen nennt Cicero im weiteren Fortlauf des Proömiums Beispiele.

Die Sitten und Lebenseinrichtungen, Familiäres und Häusliches hätten die Römer auf alle Fälle besser und mit mehr Anstand angesehen, und besonders den Staat, so Cicero weiter, hätten die maiores ohne Zweifel mit besseren Ämtern und Gesetzen eingerichtet.13 Cicero verwendet für diesen letzten Ausdruck das Verb ‚temperare‘, das wörtlich ‚mischen‘ bedeutet, und nimmt damit auf die von ihm in seiner Schrift De Re Publica als optimale Staatsform propagierte Mischverfassung Bezug.

Nun kommt er auf die res militaris, das Militär, zu sprechen. Mit der rhetorischen Frage „quid loquar de re militari?“14 zeigt er dem Leser, dass es auf diesem Spezialgebiet der Römer keiner weiteren erklärenden Worte mehr bedarf: „in qua cum virtute nostri multum valuerunt, tum plus etiam disciplina.“15 Allein durch ihre virtus seien sie schon sehr stark, durch die ihnen eigene disciplina jedoch noch viel mehr.

Obwohl er diesen Punkt in nur wenigen Worten behandelt, wird er durch seine pointierte und gezielte Ausformulierung große Wirkung auf den Leser gehabt haben. Die rhetorische Frage als Einleitung, in der Antwort die cum-tum-Konstruktion als Rahmen der beiden Satzhälften, der Chiasmus in der Form virtute – multum – valuerunt, – plus – disciplina, der sich symmetrisch im Prädikat valuerunt kreuzt, und nicht zuletzt die für die Römer so bedeutungsvollen Wörter virtus und disciplina zeigen eindrucksvoll die perfekt durchdachte Textkonstruktion, in der jede Silbe und jedes Wort wohl gewählt ist.

Mit hohen Ansprüchen fährt Cicero fort. Auf den Gebieten, auf denen von Natur aus, natura, und nicht durch wissenschaftliche Tätigkeit, litteris, etwas erreicht werden kann, können die Römer weder mit den Griechen, noch mit irgendwelchen anderen Völkern verglichen werden. Mit einer weiteren rhetorischen Frage zählt Cicero nun römische Tugenden auf. Nirgendwo gebe es solch große Würde, solch große Ausdauer, Mut, Tüchtigkeit, Treue, kurz: eine solch hervorragende virtus auf allen Gebieten.16

Nach dieser Lobrede auf die natura des Römers wendet sich Cicero den litterae der Griechen zu und gesteht ein, dass diese seine Landsleute hinsichtlich ihrer Gelehrsamkeit und ihrer verschriftlichten Wissenschaften übertrafen. Jedoch sei es leicht gewesen, die Römer darin zu besiegen, da sie ja keinen Widerstand leisteten.17 Cicero verwendet hierfür mit den beiden Verben vincere und repugnare Vokabular aus dem militärischen Bereich. Dadurch verschafft er der Aussage größere Aufmerksamkeit und verursacht gleichzeitig beinahe Empörung wie über eine Person im Kampf, die einen Gegner schlägt, der sich nicht wehrt. Dieses Verhalten ist für den Sieger natürlich äußerst unehrenhaft und er ist des Sieges eigentlich nicht würdig. So ruft Cicero zur Überlegenheit der Griechen auf diesem Gebiet eine negative Konnotation hervor.

Zudem führt er einige Beispiele an, mit denen er deutlich macht, was er mit non repugnare genau meint. Der Dichtkunst sei bei den Griechen viel früher als bei den Römern nachgegangen worden, Malerei und Musik waren in Rom nicht angesehen. Insgesamt behandelt Cicero dieses Thema sehr ausführlich. Der Abschnitt mit der Aufführung von Personen, die gedichtet, gemalt oder musiziert haben nimmt einen vergleichsweise großen Teil des Proömiums ein18, Cicero ist es also wichtig, die geringe Leistung der Römer in diesen Fähigkeiten eingehend zu rechtfertigen.

In aller Kürze befasst sich Cicero hingegen mit der Mathematik.19 Bei den Griechen seien Mathematiker sehr angesehen gewesen, die Römer aber – Cicero verwendet für diesen Gegensatz die sehr stark adversative Konjunktion ‚at‘ – hätten  sich in dieser Kunst aufs Messen und Rechnen beschränkt, soweit dies eben für sie nützlich war. Beinahe süffisant wirkt Cicero in diesen wenigen Zeilen. Natürlich muss er auch hier, wie im vorigen Abschnitt, kaschieren, dass die Römer den Griechen auf diesem Gebiet unterlegen sind. Doch macht er das bei der Mathematik schlicht und einfach, indem er sie in die anfangs erwähnte dritte Gruppe der Fähigkeiten einordnet, die der Römer als der Beschäftigung gar nicht würdig einstuft.

Auch der nächste Satz wird mit den beiden einleitenden Wörtern ‚at contra‘ in starken Gegensatz zum vorherigen gestellt. Das überrascht wenig, denn Cicero kommt nun – nach dem Militär – zu einem weiteren Spezialgebiet der Römer, der Redekunst. Nach der Erwähnung einiger berühmter Namen als Beispiele für die hoch entwickelte Rhetorik in Rom zieht er den Schluss, dass seine Landsleute die Griechen in dieser Fähigkeit praktisch eingeholt hätten.20 Obwohl sich Cicero freilich nicht explizit in die Liste der berühmten Redner aufnimmt, so war ihm natürlich bewusst, dass er selbst als der größte Redner in Rom galt. Die Aussage „inde ita magnos [oratores] nostram ad aetatem [fuisse traditum est], ut non multum aut nihil omnino Graecis cederetur“21 nach der Nennung der anderen Redner ist daher auch zum größten Teil Eigenlob.

Schließlich kommt Cicero auf das Gebiet zu sprechen, das zu seinem Thema in den Tusculanen werden soll, auf die Philosophie. Ohne Umschweife gesteht Cicero ein, dass sie bis in seine Zeit brach gelegen sei und dass es nun seine Aufgabe sei, sie ins Licht zu rücken und aufzuwecken. Als Grund dafür, warum das nötig sei, nennt er seine Absicht, seinen Mitbürgern nicht nur nützen zu wollen, solange er ein politisches Amt bekleide, sondern auch während der Zeit seines otium, also im Zeitraum seiner politischen Untätigkeit. Umso mehr müssten die Römer sich auf diesem Gebiet bemühen, da es zwar schon philosophische lateinische Texte gebe, sie aber Ciceros Ansprüchen nicht genügten und nach seinem Ermessen nicht viel wert seien.22

Bei dieser Bemühung dürfe allerdings die eloquentia nicht vernachlässigt werden, denn Cicero hält die Philosophie nur dann für vollendet, wenn sie sich mit eloquentia vereinigt. Für seine Erörterungen in Tusculum habe er sich diese Verbindung zum Vorsatz genommen.23 Damit leitet er zum Hauptteil des ersten Buches der Tusculanae Disputationes über.

2. 2. 2. Proömium des zweiten Buches

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Im Proömium zum zweiten Buch der Tusculanen spielen die Griechen nicht die zentrale Rolle, die sie im ersten Proömium innehatten. Sind dort Formen von ‚Graeci‘ oder ‚Graecia‘ nicht weniger als zwölf Mal zu finden, werden die Griechen und Griechenland im zweiten Proömium nur drei Mal erwähnt. Quantitativ treten sie also vor den übrigen behandelten Gedanken in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz sind die drei Stellen, an denen sie auftreten, für die Interpretation Ciceros Griechenbildes sehr ergiebig.

Erst als der Leser schon beinahe bei der Hälfte des Proömiums angelangt ist, stößt er zum ersten Mal auf den Begriff ‚Graecia‘: „Quam ob rem hortor omnis, qui facere id possunt, ut huius quoque generis laudem iam languenti Graeciae eripiant et transferant in hanc urbem, sicut reliquas omnis, quae quidem erant expetendae, studio atque industria sua maiores nostri transtulerunt.“24

Das Epitheton ‚languens‘, mit dem Cicero an dieser Stelle Griechenland konnotiert, zeigt sehr genau, welches Bild von den Griechen er zeichnen will. Griechenland sei schon im erschlaffenden Zustand, besitze aber ungerechtfertigterweise noch den Ruhm der Philosophie. Seine und seiner Landsleute Aufgabe sei es nun, Griechenland diesen Ruhm zu entreißen und nach Rom zu tragen25 – mit allem übrigen Erstrebenswerten hätten sie das bereits getan, wie ja schon im ersten Satz des Proömiums zum ersten Buch nachgelesen werden kann. Cicero sieht sich also als der Römer, der schließlich mit der Philosophie noch die letzte Bastion der Griechen zu Fall bringen wird.

Das will er schaffen, indem er sie in lateinischer Sprache etabliert: „philosophia nascatur Latinis quidem litteris“26. So will er die griechischen Bibliotheken – und damit natürlich die gesamte griechische Literatur – überflüssig machen: „Quodsi haec studia traducta erunt ad nostros, ne bibliothecis quidem Graecis egebimus, in quibus multitudo infinita librorum propter eorum est multitudinem, qui scripserunt.“27

Wie aufgezeigt wurde, spricht Cicero im Proömium zum zweiten Buch sehr deutlich aus, welches Ziel er verfolgt. Auch in seiner Wortwahl wird er drastischer: Er will Griechenland seinen Ruhm ‚entreißen‘, die Griechen hätten alles mit Büchern ‚voll gestopft‘, in denen sowieso oft nur das gleiche stünde28. Im Vergleich zum Proömium des ersten Buches, wo er Römer und Griechen vergleichend und relativ sachlich nebeneinander stellt, stellt er hier die konkrete Forderung an sich und seine Landsleute, Rom zur neuen Hauptstadt der Philosophie zu machen.

2. 2. 3. Weitere Stellen

↑ Inhaltsverzeichnis
In den beiden betrachteten Proömien hat sich Cicero eingehend mit den Griechen als Volk beschäftigt. Doch es lässt sich bei den Themen, die er in den fünf Büchern der Tusculanen behandelt, nicht vermeiden, dass er immer wieder auf die Griechen zu sprechen kommt, dann jedoch meist ausgehend von Thesen oder Meinungen, die von diesen stammen. Mehr parenthetisch werden sie deshalb im Laufe der disputationes dargestellt. Die Art der Darstellung unterstützt dennoch die Skizzierung Ciceros Griechenbildes.

Beispielsweise diffamiert er die Griechen, indem er das Wort Graeci in einem negativen Kontext erwähnt, wie im ersten Buch im Satz „sed haec et vetera et a Graecis“29 oder auch im Satz „ineptum sane negotium et Graeculum“30. Der Diminutiv im letztgenannten Beispiel macht sich über die Griechen geradezu lustig, indem er auf sie herabblickend, aber mitleidig den Gedanken zum Ausdruck bringt, dass die ‚Griechlein‘ für ihre Dummheit eigentlich zu bedauern sind.

An einer anderen Stelle spricht Cicero Griechenland direkt an und personifiziert es: „o verborum inops interdum, quibus abundare te semper putas, Graecia!“31 Durch die Onomatopoesie der dunklen Vokale in den ersten Worten der Apostrophe wird sie besonders eingängig, gleichzeitig bewirkt sie beim Leser – und natürlich vor allem beim Hörer – ähnlichen Spott wie das Wort Graeculum.

Beliebt ist bei Cicero auch der direkte Vergleich der lateinischen und griechischen Sprache. Dabei kommt er regelmäßig zu dem Schluss ‚nos melius‘, ‚wir machen es besser‘: „multoque melius haec notata sunt verbis Latinis quam Graecis“32 heißt es im dritten Buch, und auch: „Graeci autem μανίαν unde appellent, non facile dixerim; eam tamen ipsam distinguimus nos melius quam illi. hanc enim insaniam, quae iuncta stultitiae patet latius, a furore disiungimus. Graeci volunt illi quidem, sed parum valent verbo“33. Vor einer ganz ähnlichen Situation steht Cicero wenig später: „hoc propemodum verbo Graeci omnem animi perturbationem appellant; vocant enim πάθος, id est morbum, quicumque est motus in animo turbidus. nos melius: (…)“34

Schließlich ist gegen Ende des dritten Buches nach einer Aufzählung verschiedener Kategorien des Unglücks zu lesen: „haec Graeci in singulas scholas et in singulos libros dispertiunt; opus enim quaerunt“35. Erneut ist die Selbstgefälligkeit Ciceros gegenüber den Griechen deutlich zu sehen: Da die Griechen ja sowieso nichts Vernünftiges zu tun hätten, sollen sie doch ihre Einteilungen vornehmen.

Insgesamt wird Griechenland in den fünf Büchern der Tusculanen in vielen Fällen in einem Zusammenhang oder auf eine Art und Weise erwähnt, die es despektierlich behandelt. Nach der direkten Auseinandersetzung mit den Griechen in den Proömien der ersten beiden Bücher arbeitet Cicero während der Diskussionen auf seinem Landgut en passant weiter an seinem Griechenbild. Zwar geschieht dies hier vereinzelter und oft subtiler, doch hat er immer noch die starke Absicht, die Griechen den Vergleich mit den Römern verlieren zu lassen.

2. 3. Proömium des ersten Buches von De finibus bonorum et malorum

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Zur Abrundung Ciceros Griechenbildes soll nun in eines seiner anderen Werke geblickt werden. Als lohnend erweist sich hierfür wiederum ein Proömium, und zwar das des ersten Buches aus seiner Schrift De finibus bonorum et malorum. Diese entstand, wie zahlreiche seiner anderen philosophischen Schriften, darunter auch die Tusculanae Disputationes, im Jahre 45 vor Christus36.

Cicero beginnt das Proömium mit der Erklärung, dass er, als er griechische Gedanken ins Lateinische übertrug, bereits darauf vorbereitet gewesen sei, dass es verschiedene Leute geben würde, die ihn dafür kritisieren würden37. Interessant ist im Folgenden Ciceros Verteidigung dieser Übertragungen. Zunächst zieht er dabei als Beispiele lateinische Erzählungen heran, die aus dem Griechischen stammen, wie die Medea des Ennius und die Antiopa des Pacuvius, deren Stoff schon von Euripides verarbeitet wurde. Trotzdem müsse man seiner Meinung nach die lateinischen Versionen lesen: „Rudem enim esse omnino in nostris poetis aut inertissimae segnitiae est aut fastidi delicatissimi“38.

Cicero selbst will aber nicht nur die Rolle eines Übersetzers einnehmen, sondern die Werke der griechischen Autoren, die er für gut hält, auch noch mit seinem eigenen Urteil ergänzen und auf seine Weise ordnen. Gigon nimmt an, dass diese Ordnung dringend nötig war, da Ciceros griechische Vorlagen äußerst umfangreich, und oft „breit und umständlich angelegt gewesen sein müssen“39.

Weiter schreibt Cicero, es gebe dann keinen Grund mehr, die griechischen Originale zu lesen, wenn die lateinischen Versionen wohl formuliert und nicht nur Übersetzungen aus dem Griechischen seien40. Des Weiteren wolle er nicht komplette Texte übersetzen, wie die Dichter es mit den Theaterstücken getan hätten, sondern sich nur bestimmte Stellen aussuchen, die ihm gefallen41. Einige Leute verabscheuten lateinische Literatur, die auf griechischen Vorlagen beruht. Dies habe jedoch nur geschehen können, weil die griechischen Vorlagen selbst bereits unkultiviert und rau gewesen seien42.

Ciceros letztes Argument für die Beschäftigung mit Philosophie in lateinischer Sprache ist schon aus verschiedenen Stellen in den Tusculanen bekannt: „sed ita sentio et saepe disserui, Latinam linguam non modo non inopem, ut vulgo putarent, sed locupletiorem etiam esse quam Graecam.“43 Dieser Satz korrespondiert mit den Beispielen, die im Punkt 2. 2. 3. dargestellt wurden und in denen Cicero mit der beschriebenen ‚nos melius‘-Ausdrucksweise die lateinische über die griechische Sprache stellt.

Wenn man mit den Proömien der ersten beiden Bücher und mit den in 2. 2. 3. erwähnten übrigen Stellen der Tusculanen vertraut ist, wird man im Proömium zu De finibus bonorum et malorum inhaltlich nicht viel Neues finden. Der Unterschied besteht eher in der Form und in der Herangehensweise an das, was Cicero zum Ausdruck bringen will. Im Proömium des ersten Tusculanenbuches deckt Cicero eine Vielzahl von verschiedenen Fertigkeiten ab, in denen er die Leistungen der Griechen und Römer vergleicht und feststellt, dass die Römer im Grunde in allem besser sind. Im Proömium des zweiten Buches beschränkt er sich auf die Philosophie und fordert deutlich und mit sehr radikalen Worten, die Griechen auf diesem Gebiet überflüssig zu machen. Und auch im zuletzt behandelten Proömium widmet sich Cicero der Philosophie, hier erklärt und verteidigt er jedoch konkret, wie er bei seinen Übertragungen griechischer Werke vorzugehen pflegt.

3. Conclusio

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Welches Griechenbild hatte Cicero? Wie war sein Verhältnis zu Griechenland? In seinen Schriften blickt er auf die Griechen herab, was er auch tun muss, wenn er als vir vere Romanus gesehen werden will und nicht als verweichlichter Griechenfreund. Denn dass die Griechen und die griechische Lebensweise von den Römern verachtet wurden, sieht man schon an lateinischen Wörtern wie ‚pergraecari‘, was in etwa ‚in Saus und Braus leben‘ bedeutet, oder am Wort ‚Graeculus‘, auf das im Punkt 2. 2. 3. näher eingegangen wurde.

Nun war es aber „Cicero von Jugend auf ein Bedürfnis, sich mit Philosophie zu befassen“44, was zu dieser Zeit jedoch eine typisch griechische Beschäftigung war. Eine schwierige Situation für Cicero: „Plutarch steht in einer Tradition, in der er seine Beschäftigung mit philosophischen Problemen nicht eigens zu rechtfertigen braucht; die Philosophie ist ein Teil des glanzvollen Erbes seiner eigenen Nation. Bei Cicero ist dies anders. Er versteht sein Unternehmen, seinen Mitbürgern griechische Philosophie in lateinischer Sprache darzubieten, als etwas völlig Neues und schon darum der Rechtfertigung dringend Bedürftiges.“45 Cicero versucht diese Rechtfertigung, indem er seine Landsleute bei ihrer Ehre packt. Er zeichnet ihnen eine Welt, in der das einzige Monopol, das die Griechen noch innehaben, nämlich ihre Hinterlassenschaft an philosophischen Schriften, zu guter Letzt auch noch von den Römern übernommen wird.

Nun darf sich ein Cicero natürlich nicht dem Vorwurf aussetzen, die griechischen Werke einfach nur übersetzt zu haben. Um seinem Anspruch aus dem Proömium des ersten Tusculanenbuches, dass die Römer alles von den Griechen Übernommene verbessern, gerecht zu werden, muss er seine Vorlagen mit seinen eigenen Gedanken bereichern. Dass das offenbar sein Ziel war, wurde im Proömium des ersten Buches von De finibus bonorum et malorum gezeigt. Ob er sein Ziel erreicht hat, darüber gehen die Meinungen im Laufe der Rezeptionsgeschichte stark auseinander.

„Es versteht sich von selbst, daß Cicero niemals das gewesen ist, was man einen schöpferischen Philosophen zu nennen pflegt. Er trägt keinen einzigen philosophischen Gedanken vor, den er nicht bei einem der Griechen vorgefunden hätte.“46 Anderer Meinung ist Knoche. Er nennt Cicero zwar einen „Mittler griechischer Geisteskultur“47. Doch für ihn ist der Mittler „vielmehr ein selbständiger, schöpferischer Geist“48. Cicero seine schöpferische Kraft abzusprechen, geht sicherlich zu weit. Selbst wenn er wirklich nur Übersetzer war, wurde er schöpferisch tätig, etwa in der Übertragung griechischer philosophischer Termini, wovon Beispiele im Punkt 2. 2. 3. zu finden sind.

Man darf jedoch die Intention Ciceros, die Fuhrmann herausgestellt hat, nicht außer Acht lassen. Cicero will Philosoph sein, und „[w]enn Cicero in Griechenland gelebt hätte, wäre er vielleicht Philosoph geworden.“49 Zu seinem Leidwesen ist er aber ein Römer mit stolzgeschwellter Brust und kann es kaum ertragen, dass sich die Nachwelt, denkt sie an berühmte Philosophen der Antike, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht seiner erinnern wird, sondern ihr zuerst die Namen Sokrates‘, Platons und Aristoteles‘ einfallen werden. Seine Befürchtung hat sich bewahrheitet. „The safest general characterization of the European philosophical tradition is that it consists of a series of footnotes to Plato.“50 Das Griechenbild Ciceros zeichnet sich vor allem durch diesen tiefen Neid auf die Griechen aus.

4. Fußnoten

  1. ↑ [1] Vgl. Stroh (2008) 14.
  2. ↑ [2] Vgl. Cic. Arch. 1:

    Si quid est in me ingeni, iudices, quod sentio quam sit exiguum, aut si qua exercitatio dicendi, in qua me non infitior mediocriter esse versatum, aut si huiusce rei ratio aliqua ab optimarum artium studiis ac disciplina profecta, a qua ego nullum confiteor aetatis meae tempus abhorruisse, earum rerum omnium vel in primis hic A. Licinius fructum a me repetere prope suo iure debet.

    „Wenn ich, ihr Richter, einiges Talent zum Redner habe, dessen geringes Maß ich allerdings fühle, oder einige Fertigkeit im Reden, womit ich mich, und das soll nicht geleugnet werden, nicht gerade oberflächlich beschäftigt habe, oder wenn ich auch nur einige theoretische Kenntnis der Redekunst besitze, die aus dem eifrigen Studium der schönen Künste hervorgegangen ist – und ich gestehe es offen, daß ich die Erwerbung dieser Kenntnis zu keiner Zeit meines Lebens vernachlässigt habe –, dann darf wohl in erster Linie mein Klient hier, Aulus Licinius, auf die Früchte aller dieser Eigenschaften sozusagen von Rechts wegen Anspruch erheben.“ (Übersetzung: Schönberger (1979) 5).

  3. ↑ [3] Vgl. Stroh (2008) 15.
  4. ↑ [4] Vgl. Cic. Orat. 3, 11:

    ego autem et me saepe nova videri dicere intelligo, cum pervetera dicam sed inaudita plerisque, et fateor me oratorem, si modo sum aut etiam quicunque sum, non ex rhetorum officinis, sed ex Academiae spatiis extitisse (…).

    Ich weiß aber auch, dass ich oft neues zu sagen scheine, wenn ich altes sage, das die meisten nur noch nicht gehört haben; und ich gestehe, dass ich ein Redner geworden bin – wenn ich einer bin, oder was auch immer ich bin – nicht in den Werkstätten der Rhetoren sondern in den Gängen der Akademie (…).

  5. ↑ [5] Vgl. Cic. Brut. 306: totum ei me tradidi.
  6. ↑ [6] Vgl. Stroh (2008) 17.
  7. ↑ [7] Vgl. Stroh (2008) 19f.
  8. ↑ [8] Cic. Brut. 314.

    Weil ich aber dachte, dass ich durch Erholung und Schonung meiner Stimme und durch Veränderung der Art meines Redens sowohl die Gefahr vermeiden als auch gemäßigter sprechen könnte, hatte ich den Grund, nach Asien aufzubrechen, um meine Sprechgewohnheit zu verändern.

  9. ↑ [9] Plut. vit. Kikeron 4, 6f

    „Da Apollonius die lateinische Sprache nicht verstand, erzählt man sich, bat er den Cicero, seinen Übungsvortrag griechisch zu halten. Cicero bequemte sich hierzu mit aller Bereitwilligkeit, er glaubte, daß auf diese Weise die verbessernde Kritik um so leichter werde ausgeübt werden. Als er zu Ende war, herrschte ein allgemeines Erstaunen, un man überbot sich in Lobsprüchen auf seinen Vortrag. Apollonius hatte mit der gespanntesten Aufmerksamtkeit zugehört, blieb auch nachher noch lange Zeit nachdenklich sitzen, und als Cicero hierüber sein Befremden äußerte, sagte er: ‚Dich, Cicero, muß ich freilich loben und bewundern; aber Griechenland dauert mich, wenn ich sehe, wie auch der einzige, letzte Vorzug, der uns bisher noch geblieben ist, durch dich nunmehr nach Rom hinüberwandert, – die Bildung und Beredsamkeit!‘“
    (Übersetzung: Eyth (1871) 47)

  10. ↑ [10] Haffter (1967) 200.
  11. ↑ [11] Vgl. Cic. Att. 16, 6, 4:

    de gloria librum ad te misi, et in eo prohoemium id quod est in Academico tertio. id evenit ob eam rem quod habeo volumen prohoemiorum. ex eo eligere soleo cum aliquod σύγγραμμα institui.

    Ich habe dir das Buch De Gloria geschickt, und darin das Proömium, das sich auch im Academicum Tertium befindet. Das ist deswegen geschehen, weil ich eine Sammlung von Proömien habe. Aus dieser pflege ich eines zu wählen, wenn ich irgendein Buch beginne.

  12. ↑ [12] Cic. Tusc. 1, 1.

    Ich glaubte, dies [d. h. das Bemühen um Weisheit] in lateinischer Sprache beleuchten zu müssen, nicht weil man sich die Philosophie aus griechischen Werken und von griechischen Lehrern nicht zu Eigen machen könnte. Doch war ich immer der Meinung, dass die Unseren alles entweder von sich aus klüger erfunden haben als die Griechen, oder das verbessert haben, was sie von ihnen übernommen haben und was sie freilich für würdig erachteten, dass sie sich darin bemühten.

  13. ↑ [13] Vgl. Tusc. 1, 2.
  14. ↑ [14] Tusc. 1, 2. Was soll ich über unser Militär sagen?
  15. ↑ [15] Tusc. 1, 2. Darin haben die Unseren durch Tapferkeit viel vermocht, noch mehr aber durch Zucht.
  16. ↑ [16] Vgl. Tusc. 2, 1.
  17. ↑ [17] Vgl. Tusc. 1, 3.
  18. ↑ [18] Vgl. Tusc. 1, 3f.
  19. ↑ [19] Vgl. Tusc. 1, 5.
  20. ↑ [20] Vgl. Tusc. 1, 3.
  21. ↑ [21] Tusc 1, 5.

    Es wird überliefert, dass es dann auch bis in unsere Zeit so große Redner gab, dass wir den Griechen kaum oder überhaupt nicht nachstanden.

  22. ↑ [22] Vgl. Tusc. 1, 6.
  23. ↑ [23] Vgl. Tusc. 1, 7.
  24. ↑ [24] Tusc. 2, 5.

    Deshalb ermuntere ich alle, die es können, dass sie auch auf diesem Gebiet den Ruhm dem schon erschlaffenden Griechenland entreißen und in diese Stadt herübertragen, so wie alles Übrige, wenn es freilich zu erstreben war, unsere Vorfahren mit ihrem Eifer und Fleiß herübergetragen haben.

  25. ↑ [25] Diese Vorstellung des Hinübertragens zu den Römern erinnert an die im Punkt 2. 1. erwähnte Anekdote in Plutarchs Biographie Cicero, wo dieser Apollonius den Ausdruck Ρωμαίοις προσγίνομαι verwenden lässt.
  26. ↑ [26] Tusc. 2, 5. Die Philosophie soll in lateinischer Sprache geboren werden.
  27. ↑ [27] Tusc. 2, 6.

    Wenn nun diese Wissenschaft zu uns herübergebracht worden ist, werden wir nicht einmal mehr die griechischen Bilbiotheken brauchen, in denen eine unendliche Anzahl von Büchern steht wegen der Vielzahl der Leute, die etwas geschrieben haben.

  28. ↑ [28] Vgl. Tusc 2, 6.

    eadem enim dicuntur a multis, ex quo libris omnia referserunt.

    Es wird nämlich von vielen das gleiche gesagt, daher stopfen sie alles mit Büchern voll.

  29. ↑ [29] Tusc. 1, 74. Aber das ist alt und von den Griechen.
  30. ↑ [30] Tusc. 1, 86. In der Tat eine unpassende und griechische Sache.
  31. ↑ [31] Tusc. 2, 35. Oh du Griechenland, du bist manchmal arm an Worten, von denen du immer glaubst, sie im Überfluss zu haben!
  32. ↑ [32] Tusc. 3, 10. Und viel besser wird das mit lateinischen als mit griechischen Worten bezeichnet.
  33. ↑ [33] Tusc. 3, 11.

    Woher es die Griechen aber μανία nennen, kann ich nicht leicht sagen; trotzdem unterscheiden wir diese besser als sie. Denn wir trennen diese Tollheit, die, verbunden mit Dummheit, weit verbreitet ist, von der Raserei. Die Griechen wollen das zwar, sind aber mit ihrer Sprache zu schwach.

  34. ↑ [34] Tusc. 3, 23.

    Mit diesem Wort benennen die Griechen jede Gemütsstörung; sie nennen es nämlich πάθος, das heißt Krankheit, was auch immer es für eine unruhige Bewegung in ihrem Gemüt ist. Wir machen es besser: (…).

  35. ↑ [35] Tusc. 3, 81. Dies teilen die Griechen in einzelne Untersuchungen und Bücher ein; denn sie suchen eine Beschäftigung.
  36. ↑ [36] Vgl. Stroh (2008) 126.
  37. ↑ [37] Vgl. Cic. Fin. 1, 1.
  38. ↑ [38] Fin. 1, 5. Denn in unseren Dichtern gänzlich ungebildet zu sein ist äußerst einfältige Gleichgültigkeit oder sehr verwöhnte Verachtung.
  39. ↑ [39] Gigon (1973) 241.
  40. ↑ [40] Vgl. Fin. 1, 6.
  41. ↑ [41] Vgl. Fin. 1, 7.
  42. ↑ [42] Vgl. Fin. 1, 8.
  43. ↑ [43] Fin. 1, 10. Aber so denke ich und ich habe es oft erörtert: Latein ist nicht nur keine mittellose Sprache, sondern sogar besser ausgestattet als die griechische.
  44. ↑ [44] Fuhrmann (2005) 214.
  45. ↑ [45] Gigon (1973) 248.
  46. ↑ [46] Gigon (1973) 240.
  47. ↑ [47] Knoche (1959) 58.
  48. ↑ [48] Knoche (1959) 65.
  49. ↑ [49] Fuhrmann (2005) 213.
  50. ↑ [50] Whitehead (1985) 39. Die sicherste allgemeine Charakterisierung der europäischen phlosophischen Tradition lautet, dass sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.

5. Literaturverzeichnis

5. 1. Primärliteratur

↑ Inhaltsverzeichnis
Cic. Arch. = M. Tulli Ciceronis orationes 6, ed. Albertus Curtis Clark, Oxford 1968.

Cic. Att. = M. Tulli Ciceronis epistulae ad Atticum. Vol. II. Libri IX-XVI, ed. D. R. Shackleton-Bailey, Stuttgart 1987.

Cic. Brut. = M. Tulli Ciceronis Brutus, ed. A. E. Douglas, Oxford 1966.

Cic. Fin. = M. Tullius Cicero. Scripte quae manserunt omnia. Fasc. 43. De finibus bonorum et malorum, ed. Claudio Moreschini, München/Leipzig 2005.

Cic. Orat. = M. Tullius Cicero. Scripta quae manserunt omnia. Fasc. 5. Orator, ed. Rolf Westman, München/Leipzig 2002.

Cic. Tusc = M. Tulli Ciceronis scripta quae manserunt omnia. Fasc. 44. Tusculanae Disputationes, ed. M. Pohlenz, Stuttgart 1965.

Plut. vit. Kikeron = Plutarchi vitae parallelae. Vol. 1 Fasc. 2, ed. Cl. Lindskog et K. Ziegler, Stuttgart/Leipzig 1994.

5.2. Sekundärliteratur

↑ Inhaltsverzeichnis
Eyth (1871) = Eyth, Eduard: Plutarchs ausgewählte Biographien 27. Demosthenes und Cicero, Berlin/Stuttgart 1871.

Fuhrmann (2005) = Fuhrmann, Manfred: Geschichte der römischen Literatur, Stuttgart 2005.

Gigon (1973) = Gigon, Olof: Cicero und die griechische Philosophie, ANRW I, 4 (1973) 226-261.

Haffter (1967) = Haffter, Heinz: Ciceros griechische Reise, in: ders.: Römische Politik und römische Politiker. Aufsätze und Vorträge, Heidelberg 1967.

Knoche (1959) = Knoche, Ulrich: Cicero. Ein Mittler griechischer Geisteskultur, Hermes 87 (1959) 57-74.

Schönberger (1979) = Schönberger, Otto: M. Tullius Cicero. Pro A. Licinio Archia poeta oratio. Rede für den Dichter A. Licinius Archias. Lateinisch / Deutsch, Stuttgart 1979.

Stroh (2008) = Stroh, Wilfried: Cicero. Redner, Staatsmann, Philosoph, München 2008.

Whitehead (1985) = Whitehead, Alfred North: Process and Reality. An essay in cosmology, New York 1985.